Windows 10 erscheint im Sommer

Microsoft bringt Windows 10 diesen Sommer auf den Markt. Damit verabschiedet sich der Hersteller von dem sonst üblichen Zeitfenster eines Windows-Marktstarts im Oktober. Zudem wurde ein neuer Hersteller für Smartphones mit Microsofts neuem Betriebssystem vorgestellt.

In diesem Sommer will Microsoft Windows 10 in den Handel bringen. Das verkündete Windows-Chef Terry Myerson auf dem Windows Hardware Engineering Community (WinHEC) Summit im chinesischen Shenzhen, wie der Hersteller im hauseigenen Windows-Blog bekanntgab. Damit haben sich die jüngsten Vorabberichte zum Termin der Markteinführung von Windows 10 bestätigt. In welchem Monat Windows 10 erscheinen werde, teilte Microsoft noch nicht mit.

Microsoft verabschiedet sich von bisherigem Zeitplan

Bisher wurde erwartet, dass Windows 10 im August 2015 auf den Markt kommen wird. Im Juni 2015 soll die RTM-Version von Windows 10 fertig werden. RTM steht für Release To Manufacturers und ist die Version von Windows 10, die dann in die Produktion geht und an Gerätehersteller verteilt wird. Nach der Veröffentlichung der RTM-Version dauert es bei Windows üblicherweise noch einmal zwei Monate, bis das Betriebssystem auf den Markt kommt.

Mit dem neuen Zeitplan verabschiedet sich Microsoft vom bisherigen Prozedere. Die vergangenen beiden Windows-Hauptversionen, also Windows 7 und Windows 8, kamen jeweils im Oktober auf den Markt und waren damit rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft verfügbar.

Lenovo plant Smartphone mit Microsofts Betriebssystem

Myerson gab als Windows-Chef außerdem einen neuen Hardware-Partner aus dem Smartphone-Segment bekannt. Und zwar will Lenovo noch in diesem Jahr Smartphones mit Microsofts Betriebssystem auf den Markt bringen. Diese sollen Mitte des Jahres in China erscheinen. Ob die Geräte dann auch in Europa vermarktet werden, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls offen ist, ob es noch ein Smartphone mit Windows Phone oder gleich mit Windows 10 sein wird.

Windows 10 wird mit Hello neue Authentifizierungsmethoden abseits des Kennworts erhalten. Microsoft setzt dabei auf biometrische Erkennungsmethoden wie Fingerabdruck, Iris-Scan und Gesichtserkennung. Das klassische Kennwort könnte damit ersetzt werden, wenn der Anwender das wünscht. Verpflichtend sind die biometrischen Methoden nicht.

Mit Windows 10 peilt Microsoft vor allem Nutzer von Windows 7 an, die bisher keine Veranlassung gesehen haben, auf Windows 8.x zu wechseln. Mit der neuen Windows-Version werden einige der Besonderheiten von Windows 7 wieder in das Betriebssystem integriert. So gibt es wieder ein Startmenü, das nicht zwingend den gesamten Bildschirm ausfüllt. Der Nutzer kann zwischen der Windows-7-Darstellung und der Ansicht wählen, wie sie mit Windows 8 eingeführt wurde. Außerdem wurde Windows wieder stärker an die Bedürfnisse von Nutzern angepasst, die das Betriebssystem ohne Touchscreen verwenden.

Microsoft bietet Privatnutzern und kleinen Unternehmen Windows 10 ein Jahr lang nach dem Verkaufsstart kostenlos an. Für das kostenlose Upgrade wird eine Lizenz von Windows 7 oder Windows 8.1 benötigt. Für ältere Windows-Versionen gilt diese Option nicht. Wer das Gratis-Upgrade erhalten hat, kann es so lange nutzen, bis das betreffende Windows-Gerät verwendet wird.

Noch immer hat Microsoft keine Angaben dazu gemacht, wie viel eine Windows-10-Lizenz nach Ablauf dieses Zeitraums kostet. Es gibt derzeit die Vermutung, dass Windows 10 in Form eines Abomodells vermarktet wird – offiziell hat sich Microsoft dazu noch nicht geäußert. Mittlere und große Unternehmen werden kein kostenloses Upgrade auf Windows 10 bekommen.

Updates über Peer-to-Peer-Verfahren

Generell soll Windows 10 ständig über Windows Update aktuell gehalten werden. Für Updates wird Microsoft erstmals auch Peer-to-Peer-Technik verwenden. Die Verteilung von Updates via Peer to Peer erfolgt immer parallel zu der über Microsofts Server. Neben Windows-Updates werden so auch Apps verteilt.

Dabei kann der Anwender festlegen, ob die App- und Update-Daten zusätzlich nur aus dem lokalen Netzwerk stammen. Vor allem Unternehmen können so das eigene Netzwerk zur Verteilung von Windows-Updates verwenden. Zudem können zusätzlich Computer im Internet für die Update-Versorgung herangezogen werden. Falls im lokalen Netzwerk keine Update-Daten verfügbar sind, wird dann im Internet danach gesucht.

Kostenloses Upgrade für alle illegalen Windows-Kopien

 

Microsoft will das kostenlose Upgrade auf Windows 10 auch Nutzern anbieten, die eine illegale Kopie von Windows verwenden. Damit würden Nutzer automatisch auf eine legale Version wechseln. Außerdem hat Microsoft die Systemvoraussetzungen für Windows 10 bekanntgegeben.

Microsoft will möglichst viele legale Kopien von Windows im Umlauf haben, weshalb es das für Privatnutzer kostenlose Upgrade auf Windows 10 selbst für nicht-legitimierte Kopien geben wird. Das hat Windows-Chef Terry Myerson der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. In dem Gespräch ging es zwar vornehmlich um den chinesischen Markt, aber die Regelung wird weltweit gelten, wie Microsoft auf Nachfrage unter anderem The Verge und CNet bestätigt hat.

In China sollen besonders viele illegale Kopien von Windows im Umlauf sein. Mit diesem Schritt würde Microsoft erreichen, dass diese legalisiert werden, wenn die Nutzer auf Windows 10 wechseln. Das Upgrade gibt es sowohl für Privatkunden als auch für kleine Unternehmen ein Jahr lang nach dem Verkaufsstart von Windows 10 kostenlos. Das kostenlose Upgrade erfordert Windows 7 oder Windows 8.1. Microsoft will Windows 10 im Sommer auf den Markt bringen.

Microsoft nennt Hardware-Anforderungen für Windows 10

Anlässlich der Windows Hardware Engineering Community (WinHEC) Summit im chinesischen Shenzhen hat Microsoft eine Powerpoint-Präsentation veröffentlicht, wie das Blog Windows Central erfahren hat. Desktop-Systeme, Notebooks und Tablets müssen mindestens eine Display-Auflösung von 800 x 600 Pixeln vorweisen.

Bei 32-Bit-Systemen wird mindestens 1 GByte RAM benötigt, bei 64-Bit-Systemen sind 2 GByte RAM Minimum. Zudem braucht das Betriebssystem in der 32-Bit-Version mindestens 16 GByte Festspeicher und 20 GByte Festspeicher in der 64-Bit-Ausführung. Als Windows-Desktop gilt alles ab einer Display-Diagonale von 8 Zoll. Lediglich im Unternehmensbereich geht es bereits bei 7 Zoll los.

Mindestanforderungen für Mobilgeräte

Bei Smartphones und Tablets müssen mindestens 512 MByte Arbeitsspeicher, 4 GByte Flash-Speicher und eine Displayauflösung von 800 x 480 Pixeln vorhanden sein. Diese Geräte dürfen eine Displaygröße von 3 bis 7,99 Zoll aufweisen. Diese Angaben gelent generell für 32-Bit-Systeme. Bei Geräten mit nur 4 GByte wird ein Steckplatz für SD-Cards vorgeschrieben, damit darüber Firmware-Updates durchgeführt werden können.

Die Größe des benötigten Arbeitsspeichers variiert mit der Displayauflösung. Je höher die Display-Auflösung ist, desto größer muss der Arbeitsspeicher sein, damit Windows 10 darauf läuft. Mit einer Display-Auflösung von bis zu 854 x 480 Pixeln genügen die angegebenen 512 MByte. Ab einer Displayauflösung von 960 x 540 Pixeln ist es 1 GByte, und ab einer Auflösung von 1.440 x 900 Pixeln erhöht sich der Wert auf 2 GByte.

Hat das Display eine Auflösung von mindestens 2.048 x 1152 Pixeln, sind 3 GByte erforderlich, 4 GByte bei einer Auflösung von mindestens 2.560 x 2.048 Pixeln. Zudem müssen die Smartphones oder Tablets mindestens UEFI 2.3.1 sowie Secure Boot beherrschen.

Hardware-Tasten sind bei kleiner Displayauflösung Pflicht

Geräte mit der geringsten Displayauflösung von 800 x 480 Pixeln müssen Hardware-Tasten für die Funktionen Start, Zurück und Suche besitzen. Bei Geräten mit größerer Display-Auflösung dürfen diese per Software realisiert werden, also in den Bildschirm eingeblendet werden. Verpflichtend sind auch ein Ein-Aus-Schalter und Lautstärketasten.

Auch die weiteren Anforderungen überraschen bei einem aktuellen Smartphone nicht: So wird ein Mobilfunkmodul benötigt, das Smartphone muss eine Kopfhörerbuchse haben, einen Vibrationsalarm, und WLAN muss mindestens nach dem Standard 802.11 b/g vorhanden sein.

Nachtrag vom 18. März 2015, 17:27 Uhr

Microsoft hat bestätigt, dass die Regelung bezüglich illegaler Windows-Kopien für alle Nutzer weltweit gilt, berichten übereinstimmend The Verge und CNet. Wer also eine nicht legitimierte Windows-Version verwendet, erhält dennoch das kostenlose Upgrade auf Windows 10. Die betreffenden Textpassagen im Artikel wurden aktualisiert.

Holodeck-Zeitalter mit einer autarken Datenbrille

Microsoft arbeitet an einer Datenbrille, die auf Windows 10 basiert. Anwender können um ihre vergleichsweise aufwendig gerenderten Objekte herumgehen, sie anfassen, manipulieren und anschließend an einen 3D-Drucker senden. Außerdem soll die Brille bei der Nasa zum Einsatz kommen.

Microsofts Hololens ist eine transparente Datenbrille, mit der Microsoft Augmented Reality einen großen Schritt voranbringen will. Dazu hat das Unternehmen eine komplett autarke Lösung entwickelt, die aber nicht einfach einem Google Glass entspricht. Hololens ist anderen Augmented-Reality-Lösungen deutlich überlegen. Epson hat etwa Anfang 2014 eine AR-Brille vorgestellt, die jedoch nicht die Leistungsfähigkeit der Hololens besitzt. Die Darstellung von volumetrischen Inhalten, um die der Anwender herumgehen kann, gelingt Epson beispielsweise nicht.

 

 

Microsoft hat noch keine Details zur Hardware veröffentlicht. Die Brille besteht aus transparenten Gläsern, auf denen Inhalte angezeigt werden. Neben einer CPU und einer GPU steckt in dem Gerät eine Holographic Processing Unit (HPU) genannte Einheit, die die Augmented-Reality-Inhalte beschleunigen soll. Für die bessere Einordnung im Ton soll zudem Raumklang unterstützt werden. Microsoft nennt die Datenbrille auch einen Holographic Computer. Allerdings arbeitet nicht nur Microsoft an so einem System. Von Magic Leap sind Patente bekannt, die Ähnliches in Hardware ermöglichen.

Die Hololens von Microsoft unterstützt Gesten. Für die Bedienung zeigt der Anwender einfach auf virtuelle Schaltflächen, die auf den transparenten Displays eingeblendet werden. Das geht auch mit Anwendungen. Für die Entwicklung von 3D-Objekten gibt es ein Programm namens Holostudio. Das Programm unterstützt direkt 3D-Drucker. Mit Holostudio kann der Anwender diverse Bauteile aufnehmen und mit den Händen zusammenbauen. Holostudio versteht auch Spracheingaben. Microsoft demonstrierte das live. Während der Konstruktion kann der Anwender um seine virtuellen Gegenstände herumgehen.

 

 

Hochprofessionelle Anwendungen und Minecraft

Microsoft arbeitet für Hololens mit dem JPL (Jet Propulsion Laboratory) der Nasa zusammen. Ziel ist es, in der Raumfahrt damit zu arbeiten, ohne beispielsweise direkt mit Personal zu einem Planeten zu fliegen. Planetare Fahrzeuge können direkt gesteuert und inspiziert werden. Noch in diesem Sommer sollen erste Rover für Hololens-Projekte auf die Reise geschickt werden.

Interessant ist zudem, dass anscheinend Endanwender für Hololens angedacht sind. So sprach Microsofts Chef Satya Nadella etwa von der Nutzung von Hololens für Minecraft. Wer sich gewundert hat, warum Microsoft im vergangenen Jahr Mojang kaufte, könnte hier einen Grund gefunden haben. Das Spiel dürfte für die Hololens eine interessante Anwendung werden.

Microsoft arbeitet offenbar mit volumetrischen Displays, die wir erst vor wenigen Wochen in einem Hintergrundartikel ausführlich betrachtet haben.

Microsofts Hololens soll passend zum Abschluss von Windows 10 fertiggestellt werden. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt. Wir rechnen aber mit einem Abschluss der Windows-10-Entwicklung noch im Jahr 2015.

Genaue Informationen zur Verfügbarkeit oder dem Preis des Systems sind noch nicht bekannt. Da die Brille aber nicht nur für rein professionelle Anwender präsentiert wurde, dürfte sie auch für den Endanwender bezahlbar sein.

Weitere Informationen gibt es auf der Website zu Microsofts Hololens

Geh sterben, Facebook!

Früher mochten wir Jugendlichen Facebook, aber wir sind längst auf andere Netzwerke umgestiegen. Und wer hat’s uns vermiest? Na klar: die Eltern! Und nicht nur die.

Facebook fanden wir vor ein paar Jahren noch cool und hip – wir Teenager. Jeder in meinem Alter nutzte es. Facebook ersetzte meinen Instant-Messenger ICQ mit seinem einprägsamen „uh oh“ und bot neue Möglichkeiten, Bilder oder andere Inhalte zu teilen. Die Alternative SchuelerVZ konnte sich bei uns nicht durchsetzen. Warum? Vielleicht weil es eine rein deutsche Plattform war – mir gefiel jedenfalls das Pink nicht; wir wollten Facebook-Blau. Jetzt nutzen meine Freunde und ich viel lieber Whatsapp, Instagram und Snapchat, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Facebook ist für uns wie die E-Mail: Jeder hat es und nutzt es notgedrungen, keiner will es. Wir wünschten, Facebook würde endlich sterben – und daran sind auch unsere Eltern schuld.

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel auf einem US-Blog gelesen, in dem ein Teenager aus den USA, Andrew Watts, berichtete, welche sozialen Netzwerke er und seine Altersgenossen benutzen und warum. In vielen Punkten sprach er mir absolut aus der Seele. Auch er schrieb über Facebook: „Es ist für uns tot.“ Woran liegt das?

Mama, Papa, ihr seid schuld!

Früher waren wir bei Facebook unter uns. Doch seitdem auch Eltern und andere Verwandte es für sich entdeckt haben, teilen wir Bilder von der letzten Party nicht mehr gern in unserer Timeline. Auch weniger verfängliche Dinge posten wir nicht – einfach nur, weil wir wissen, dass unsere Eltern es sehen könnten. Durch ausbleibende Posts meiner Freunde ist mein Newsfeed eine einzige Werbefläche, in der mir Facebooks Algorithmus Dinge vorschlägt, die mich interessieren sollen. Jedoch habe ich noch nie verstanden, warum mir Posts von den Beauty-Bloggern Bibisbeautypalace und Dagibee oder die News zur neuesten Promi-Trennung von irgendwelchen Klatschblättern gezeigt werden – zur Zielgruppe gehöre ich nicht.

Zum Glück wird der ach so schlaue Algorithmus nicht in den Facebook-Gruppen eingesetzt. Ich sehe das, was mich interessiert, in chronologischer Reihenfolge. Werbung oder andere unwichtige Posts gibt es nicht. Auch mein Altersgenosse Andrew Watts aus den USA sieht das so: Ohne die Gruppenfunktion würden wir Facebook einen noch schnelleren Tod wünschen. Wir organisieren uns nämlich aktuell noch in den Facebook-Gruppen, etwa um Dinge, die unseren Schuljahrgang betreffen, zu besprechen – dort wird zum Abiball oder der nächste Woche anstehenden Mottowoche abgestimmt.

Finde deine Freunde … nicht!

Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum Facebook für mich und meine Freunde nicht mehr so attraktiv ist wie früher: Das Finde-deine-Freunde-Konzept funktioniert kaum noch, denn viele in meinem Alter verwenden bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken nicht mehr ihren Klarnamen: Leute, die ich gestern beim Grillen kennengelernt habe, finde ich über die Suche einfach nicht. Datenschutzpräventionen an Schulen haben dazu beigetragen, dass viele Jugendliche – auch ich – ihren Blick auf die eigenen Daten, die man im Internet preisgibt, überdenken.

 

Cybermobbing hat uns umdenken lassen

Ein erstes Umdenken gab es schon 2011, als die Mobbingplattform iSharegossip populär wurde. Spätestens, nachdem ein Mädchen aus dem Jahrgang über mir mit Hilfe der Plattform aus der Schule herausgemobbt worden war, erkannten viele in meiner Schulklasse, wie es enden kann, wenn persönliche Daten oder Bilder unter dem vermeintlichen Schutz der Anonymität gegen jemanden verwendet werden. Das Mädchen konnte nicht mehr durch seinen Stadtteil laufen, ohne von anderen erkannt zu werden. Die Mobber wurden kurze Zeit später von der Schule suspendiert.

Damit sich so ein Fall nicht wiederholt, wird heute penibler als noch vor ein paar Jahren auf die richtigen Privatsphäre-Einstellungen geachtet. Die wenigsten in meinem Alter teilen ihre Informationen und Bilder öffentlich. Bei den Jüngeren sieht das leider noch anders aus: Sensible Daten wie die eigene Telefonnummer oder sogar die Adresse machen sie für alle frei zugänglich – einfach weil sie sich nicht über die Gefahren eines solchen Verhaltens bewusst sind.

Bedenklich ist auch, was die Kleinen über die neue Plattform Younow aus ihrem Kinderzimmer streamen. Dort geben sie viel über sich preis, ohne zu wissen, was für Gefahren das birgt. So warnt auch das Familienministerium zu Recht, Nutzer gäben durch den Stream Einblicke in ihr Privatleben und „erleichtern so Mobbing durch Gleichaltrige und sexuelle Belästigungen durch Erwachsene“ .

Liebe Schulen, mehr Prävention bitte!

Deswegen sollte in der Schule noch früher darüber aufgeklärt werden, wie gefährlich es ist, im Internet zu viele Informationen über sich preiszugegeben – nicht erst in der Oberschule, wie es bei mir und meinem jüngeren Bruder der Fall war. Das in den allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegte Mindestnutzungsalter wird selten eingehalten. Bereits Zehn- oder Elfjährige nutzen soziale Netzwerke.

Zur Sicherheit gehört auch Verschlüsselung. Zum Chatten benutzen wir heute statt Facebook hauptsächlich die Messaging-App Whatsapp, die mittlerweile eine als sicher geltende Verschlüsselung einsetzt. Freunde aus den USA können das nicht verstehen. Um ehrlich zu sein, kann ich auch gar nicht genau erklären, warum wir lieber Whatsapp nutzen. Wahrscheinlich vor allem, weil es nicht Facebook ist.

Als Facebook Whatsapp übernahm, hatten wir uns bereits zu sehr an die App gewöhnt. Zwar hatten wir Bedenken, denn auch wir erkennen, dass Facebook sehr viele Daten über uns sammelt – wahrscheinlich sogar zu viele. Nach der Zusammenlegung der beiden Dienste stiegen ein paar Leute aus meinem Freundeskreis auf den Messaging-Dienst Telegram um – Threema kam nicht in Frage, denn das kostet ja etwas. Durchgesetzt hat sich Telegram aber nicht. Nach und nach wechselten die meisten wieder zu Whatsapp und auch ich deinstallierte Telegram nach kurzer Zeit von meinem Smartphone – ein Dienst, bei dem man kaum Freunde hat, hat einfach keinen Sinn.

Instagram ist das neue Facebook

Statt des Facebook-Chats nutzen wir Whatsapp, die Timeline ersetzt Instagram. Warum, hat Watts bei Medium perfekt beschrieben. Der Fokus des sozialen Netzwerks liegt auf den geteilten Inhalten der Nutzer, denen ich folge. Ich bekomme das zu sehen, was mich interessiert. Der Vorteil von Instagram liegt darin, dass es eben nur ein Foto-Sharing-Dienst ist. Es ist nicht mit allen möglichen Funktionen überladen, die eh keiner nutzt. Anders als Facebook versucht es nicht, außer einem sozialen Netzwerk auch noch Kalender, Notizbuch und Spieleplattform zu sein.

Ich fühle mich bei Instagram auch nicht so zugespammt wie bei Facebook. Da in der Bildbeschreibung keine Links gesetzt werden können, bleibe ich von Listicles und „Geschichten, die mich schockieren werden“, aber auch von Werbelinks verschont. Sollte Instagram das ändern, würden viele den Dienst, wie auch Facebook, nicht mehr nutzen.

Die meisten meiner Kontakte teilen ein-, zwei-, vielleicht auch dreimal täglich ein Bild oder Video – der Feed ist dadurch viel aufgeräumter. Einen Algorithmus, der mir Inhalte vorschlägt, die mir gefallen könnten, gibt es ebenfalls nicht. Auch wird mehr Wert auf das Aussehen des Bildes gelegt. Ja, liebe Fotografen, meistens werden nur die Instagram-Hipster-Filter auf das Bild gelegt, trotzdem sieht das besser aus als die meisten Bilder, die früher auf Facebook gepostet wurden.

Die Restmülltonne der sozialen Netzwerke ist Snapchat. Hier landet alles, was wir nicht auf einer der anderen Plattformen posten möchten: lustige Bilder oder Videos von uns selbst zum Beispiel, die uns ein wenig peinlich sind. Außerdem können wir vor dem Versenden der Bilder einstellen, wie lange der Inhalt auf dem Smartphone des anderen angezeigt wird, bevor er sich selbst zerstört.

Eine sehr coole Funktion ist auch die Möglichkeit, eine Tagesstory zu erstellen. So können wir Freunde, die etwa gerade ein Auslandsjahr machen, an unserem Alltag teilhaben lassen, indem wir regelmäßig Dinge fotografieren und sie unserer Tagesstory hinzufügen. Das wirkt weniger selbstinszenierend als etwa auf Instagram.

 

Twitter versteht niemand, Xing braucht keiner und Google+ ist Google+

 In der Schule haben uns schon öfter Berufsberater der Arbeitsagentur versucht einzureden, dass wir uns unbedingt bei LinkedIn und Xing anmelden sollen. Aber wozu? Das braucht ihr im Berufsleben, hieß es. Einen Sinn darin sehen wir aber nicht, als Schüler und baldige Studenten ein soziales Netzwerk zu nutzen, das sich vor allem an Berufstätige richtet. Nach der Anmeldung und dem Ausfüllen des Profils hat es wohl niemand ein zweites Mal verwendet. Ok, das stimmt nicht ganz: Ein einziges Mal habe ich es bisher genutzt, um mit jemandem für meine Recherchen in Kontakt zu kommen.

Ich mag Twitter!

Auch Twitter ist so eine Sache: Das Prinzip dahinter verstehen die wenigsten in meinem Alter, das ist hier nicht anders als offenbar in den USA. Meine Freunde können nicht nachvollziehen, warum Twitter besser als andere Dienste ist, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Aber genau hier liegt der Denkfehler, denn bei Twitter folgt man eher selten seinen tatsächlichen Freunden, sondern Fremden, die in irgendeiner Weise relevante Aussagen in einen 140 Zeichen langen Tweet quetschen.

Wer sich mit Fremden über seine Interessen austauschen möchte, nutzt Tumblr: Es ist der einfachste Weg, ein eigenes Blog zu führen, und bietet mehr Möglichkeiten als Twitter. Hauptsächlich schreiben Freundinnen von mir ihre Gedanken über Mode, Bücher, Musik und Filme auf. Ob ihr Blog letztendlich gelesen wird, ist den meisten egal. Es ist ihnen sogar lieber, wenn die wenigsten in ihrem Umfeld von dem Blog wissen. Einfach, weil sie bei Tumblr auch sehr persönliche Inhalte teilen – wie in einem Tagebuch.

Für mich ist Twitter aber die bessere Alternative zu Tumblr: Es hat sich zu dem Dienst entwickelt, den ich am häufigsten nutze – allerdings weniger, um mich mit anderen auszutauschen. Twitter hat mit der Zeit meinen News-Feed ersetzt. Dank der Listenfunktion kann ich Nutzer sortieren, denen ich folge, und habe den für mich interessanten Inhalt schnell verfügbar. So wie ich nutzen aber die wenigsten Jugendlichen Twitter.

Die meisten nutzen es, um mit ihren Youtube-Stars, Lieblingsschauspielern oder -musikern in Verbindung zu kommen. Denn wenn man auf einem der sozialen Netzwerke eine Antwort von einem dieser Promis bekommt, dann auf Twitter.

Ach ja, Google+ …

Ach, Google+ hätte ich fast vergessen. Das sagt schon einiges darüber aus, was uns das Netzwerk bedeutet. Google+ haben die meisten Jugendlichen eigentlich nur, weil sie auf Youtube unterwegs sind und kommentieren. Oder weil sie ein G-Mail-Konto haben. Das war ja einige Zeit fest mit einem Google+-Konto verbunden.

Es gibt also doch noch ein vermeintlich großes soziales Netzwerk, das für Jugendliche noch weniger Relevanz besitzt als Facebook.

Sebastian Wochnik ist 17 Jahre alt und arbeitet seit mehreren Jahren bei Golem.de. Begonnen hat er mit einem Schülerpraktikum, jetzt schreibt er neben der Schule für Golem.de vor allem über mobile Geräte.

Quelle: Golem.de